Korrektur lesen? Das kann doch jeder, der in Deutsch gut in der Schule war. Oder etwa nicht? Was genau macht ein professioneller Korrektor überhaupt?

Ein professionelles Korrektorat kostet. Zumindest kostet es mehr als die Dienstleistung von „Freizeitkorrektoren“, die man in entsprechenden Internetbörsen buchen kann. Warum also nicht an dieser Stelle Geld sparen? Ich habe einmal zehn Gründe aufgeschrieben, die dafür sprechen, einen Profi zu beauftragen.

1. Ein professioneller Korrektor nimmt sich Zeit für Ihr Manuskript

Einen Text gründlich Korrektur zu lesen braucht Zeit. Viel Zeit! Und die sollte am besten am Stück oder in großen Zeitabschnitten vorhanden sein. Das ist besonders wichtig, um einen Text zu vereinheitlichen. Wenn bei einem Wort unterschiedliche Schreibweisen möglich sind, muss ich mich auch auf Seite 286 noch daran erinnern können, ob dieses Wort zuvor schon einmal vorkam und wie es dort geschrieben wurde. Das funktioniert nicht, wenn das Manuskript am Abend in Schritten von fünf bis zehn Seiten gelesen wird.

 

Hinzu kommt, dass ein Korrektorat viel Konzentration erfordert. Nach einem langen Arbeitstag am Schreibtisch lese ich zumindest nicht mehr Korrektur.

2. Ein professioneller Korrektor kennt seine Aufgabe und seine Grenzen

Das Korrekturlesen ist in der Regel der letzte Bearbeitungsschritt, bevor ein Text veröffentlicht wird. Zuvor haben Autor und Lektor ihn gründlich in die Mangel genommen, an Formulierungen gefeilt und so alles in eine endgültige Form gebracht. Möglicherweise ist der Text zu diesem Zeitpunkt auch schon von anderen Stellen freigegeben worden. Größere Änderungen sollten also nicht mehr vorgenommen werden, da sonst der gesamte Prozess der Bearbeitung und Freigaben wieder von vorn beginnt.

 

Die Aufgabe beim Korrekturlesen ist klar umrissen: Es geht darum, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler zu beheben, Schreibweisen zu vereinheitlichen, einen Blick auf die grammatikalische Korrektheit und die Umbrüche zu werfen. Natürlich wird ein professioneller Korrektor einen Hinweis geben, wenn er auf eine Formulierung stößt, die ihm merkwürdig vorkommt. Aber er wird diese Textstelle nicht von sich aus ändern! Dies kann nur in Absprache mit dem Autor geschehen.

3. Ein professioneller Korrektor geht sensibel mit Ihrem Text um

Oft entscheiden ein Komma oder die Schreibweise eines Worts über die Bedeutung eines Satzes. Wer in einem Text über die Entwicklung von Plänen während des Korrektorats aus „plan-los“ „planlos“ macht, korrigiert eine Bedeutungsebene aus dem Text heraus. „Plan-los“ ist so vielleicht nicht in einem Wörterbuch zu finden, im Gesamtzusammenhang des Textes kann diese Schreibung jedoch absolut sinnvoll sein. Solche Feinheiten dürfen durch das Korrektorat nicht verloren gehen. Ein professioneller Korrektor wird hier einen entsprechenden Hinweis setzen, mehr aber nicht.

4. Ein professioneller Korrektor verfügt über eine professionelle Ausstattung

Im Schrank eines professionellen Korrektors steht nicht nur ein deutsches Wörterbuch oder der Rechtschreib-Duden. Im Gegenteil, die verschiedenen Wörterbücher, Grammatiken und sonstigen Nachschlagewerke zu unterschiedlichsten Themen und von diversen Verlagen füllen meist ganze Regale. So besitze ich beispielsweise ein spezielles Börsenlexikon, damit ich auch die Schreibung und Bedeutung von Fachbegriffen wie „Dualpurposefund“ nachschlagen kann. Und daneben finden sich unter anderem ein Wörterbuch der Jugendsprache, um entsprechende Dialoge in Romanen korrigieren zu können, und ein Lexikon der Hamburger Begriffe für meine Hamburg-Bücher.

5. Ein professioneller Korrektor investiert in seine Weiterbildung

Zwar haben die meisten Textdienstleister ein entsprechendes Studium hinter sich, sind also beispielsweise Germanisten, Anglisten oder Romanisten, besuchen aber trotzdem regelmäßig Seminare und Kurse, in denen es unter anderem um die Feinheiten der Rechtschreibung geht oder knifflige Grammatikfragen behandelt werden. Diese Auffrischung des Wissens schärft den Blick für Fehler im Text.

6. Ein professioneller Korrektor kann auf ein professionelles Netzwerk zurückgreifen

Jeder von uns grübelt ab und zu über die knifflige Kommasetzung an einer bestimmten Stelle im Satz oder über die Schreibung eines speziellen Worts. Sprachprofis kennen andere Sprachprofis, mit denen sie Zweifelsfälle besprechen können. Gemeinsam wägen sie Bedeutungen ab und argumentieren für oder gegen die Alternativen. Die Entscheidung für eine bestimmte Schreibweise oder für ein bestimmtes Satzzeichen fällt so nicht „aus dem Bauch heraus“, sondern gut begründet und nachvollziehbar.

7. Ein professioneller Korrektor korrigiert eineindeutig

Korrektorate werden auch heute noch oft auf Papier vorgenommen. Dabei ist entscheidend, dass sich jede Korrektur jederzeit und unzweifelhaft zuordnen lässt. Professionelle Korrektoren arbeiten mit den eineindeutigen Korrekturzeichen nach DIN 16 511 und kennen auch sonst noch Tricks, um Übersicht in den Korrekturen zu schaffen, sollten sehr viele Fehler vorhanden sein.

8. Ein professioneller Korrektor beherrscht zahlreiche verschiedene Programme

Sollen die Korrekturen direkt in das elektronische Dokument oder die Datenbank eingetragen werden, ist das für professionelle Korrektoren kein Problem. Die meisten haben eine Vielzahl verschiedener Programme auf ihren Rechnern. Sie beherrschen die „Änderungen verfolgen“-Funktion von Word perfekt, arbeiten in InDesign, korrigieren PDF-Dokumente ebenso wie epub-Dateien und bewegen sich sicher in unterschiedlichen Datenbanken. WordPress? Typo3? Censhare? Sie werden für jedes Programm einen professionellen Korrektor finden, der Erfahrung in der Arbeit damit hat.

9. Ein professioneller Korrektor hat auch das Layout im Blick

Stimmen die Abstände? Ist eine falsche Schriftgröße in den Text gerutscht? Gehört an diese Stelle ein Festabstand? Professionelle Korrektoren stellen sicher, dass auch Satz und Layout Ihres Manuskripts einwandfrei sind. Sie kennen die Regeln der DIN 5008 für geschäftliche Schriftstücke ebenso wie die typografischen Feinheiten, die im Buchsatz wichtig sind. Die Sorgfalt und der genaue Blick eines professionellen Korrektors decken auch Fehler im Layout auf.

10. Ein professioneller Korrektor sichert sich ab

Wir sind alle nur Menschen und so kommt es vor, dass auch ein professioneller Korrektor mal einen Fehler übersieht. Das ist ärgerlich, passiert aber (am meisten ärgert sich in der Regel der Korrektor selbst). Sehr selten kann das auch dazu führen, dass ein Neudruck gestartet werden muss, etwa bei gravierenden Fehlern auf großformatigen Plakaten. Viele professionelle Korrektoren haben für solche Fälle eine Versicherung, die für den finanziellen Schaden aufkommt, wenn dieser vom Korrektor zu verantworten ist. Und da Vorbeugen besser ist als Heilen, arbeiten viele professionelle Korrektoren bei aufwendigen Produktionen gemeinsam mit Kollegen nach dem Vieraugenprinzip.

 

Übrigens habe ich diesen Text geschrieben, nachdem ich einen gesamten Arbeitstag damit verbracht hatte, die reinkorrigierten falschen Kommas, die übersehenen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, die nicht vereinheitlichten Schreibweisen, die unschönen Umbrüche usw. aus einem Manuskript rauszufischen, das zuvor ein „Freizeitkorrektor“ bearbeitet hatte. Mein Auftraggeber wollte an dieser Stelle Geld sparen – und bezahlte letztlich zwei Rechnungen.

 

Gern korrigiere ich Ihre Texte. Schreiben Sie mir einfach, worum es geht, und ich rufe Sie gern zurück. Und wenn wir nicht zusammenkommen: Textprofis für jede Art von Text und für jedes Thema finden Sie beim Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren VFLL.

 

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