future!publish – am 28. und 29. Januar 2016 stand in Berlin die Zukunft des Buchmarkts im Mittelpunkt. Organisiert hatte die Konferenz die auf den Buchmarkt spezialisierten PR-Agentur Literaturtest und ich war dabei.
  • Wie sehen die neuesten Entwicklungen bei E-Books aus?
  • Welche neuen Erlösmodelle entwickeln Verlage, um sich den Veränderungen zu stellen?
  • In welchem rechtlichen Rahmen bewegen sich die Beteiligten dabei?
  • Welchen Anforderungen müssen Mitarbeiter und Unternehmen entsprechen, um den Herausforderungen zu begegnen?

Über 250 Experten aus dem Buchmarkt – Programmleiter, Lektoren, Vertriebsmitarbeiter Datenbankentwickler … – diskutierten in über 30 Workshops und Vorträgen darüber, wie Verlage angesichts der Umwälzungen am Buchmarkt reagieren können, welche neuen Formate es gibt und wie die vielen verschiedenen Leser heute am besten erreicht werden können. Hier mal ein Einblick in ein paar der von mir besuchten Veranstaltungen.

Buchmarkt der Zukunft: In welchem Rahmen bewegen wir uns?

Den ersten Vortrag, den ich besuchte, hielt Rechtsanwalt Dr. Ralph Oliver Graef über den juristischen Rahmen, in dem die E-Book-Produktion und -Distribution abläuft. Betroffen sind so naheliegende Rechtsgebiete wie das Bürgerliche Gesetzbuch und das Urheberrecht, aber auch beispielsweise das Zollrecht und der Datenschutz. Dr. Graef stellte besonders heraus, dass eine exakte Definition, was ein E-Book ist und was nicht, entscheidend ist, beispielsweise für die Buchpreisbindung. Die angesetzte Vortragsdauer von 45 Minuten war natürlich viel zu kurz für dieses umfangreiche Themengebiet. Klar wurde aber, dass es sich in jedem Fall lohnt, sich mit der Materie zu beschäftigen.

 

Im zweiten Vortrag, an dem ich teilnahm, beschäftigte sich Dr. Thomas Ernst mit der Frage, wofür bei digitaler Literatur eigentlich bezahlt wird. Zentral war die These, dass der Urheberbegriff immer unklarer wird, da immer mehr Leser am Schöpfungsprozess beteiligt werden. Crowdscourcing ist hier das Schlagwort. Allerdings setzt das voraus, dass sowohl Autor als auch Leser tatsächlich gemeinsam am Werk arbeiten wollen – das ist ja meiner Meinung und Erfahrung nach durchaus nicht selbstverständlich.

 

Und wer soll die ganzen Neuerungen bezahlen? Darum ging es im Workshop „Crowdfunding für Publisher“ von Katja Marczinske. Ihre Antwort: interessierte Parteien, die sich über Crowdfundingplattformen an Projekten beteiligen. Interessant ist ihr Ansatz, darin nicht nur eine Finanzierungsmöglichkeit für Publikationen und andere Projekte zu sehen, sondern Crowdfunding gezielt als Marketinginstrument einzusetzen. Die Crowdfundingplattform schafft Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit, dient der Kundenbindung.

Den Leser erreichen, wo auch immer er ist

Mit einem positiven Ausblick auf die Veränderungen im Buchmarkt ging es am zweiten Tag weiter. Dr. Peter Felixmüller, Programmgeschäftsführer beim Murmann Verlag, setzt für seine Publikationen ganz auf das crossmediale Publizieren, darauf, dass der Autor „auf allen Kanälen“ präsent ist. Der vorhandene Content wird neu und in anderen Formaten verwendet – online und offline. Voraussetzung ist eine funktionierende Community – ein Schlagwort, das übrigens im Verlauf der Konferenz immer wieder in den unterschiedlichsten Zusammenhängen fiel.

 

„Social reading“ vom Leser aus gedacht, das ist der Ansatz, den das Netzwerk log.os verfolgt. Bisher machten Leser, so die Vortragenden Volker Oppmann und Tea Herovic, überwiegend negative Erlebnisse im Netz. Sie werden ausgespäht, Lizenzen sind nicht auf andere Systeme übertragbar, das Leseerlebnis ist unsinnlich. Die Konzentration auf einige wenige Marktgiganten schade allen: Verlagen, Buchhändlern und Nutzern. Mit log.os soll sich das ändern. Oppmann und Herovic stellten den aktuellen Entwicklungssstand vor. Und ich kann nur sagen: Das wird spannend.

Was muss eine Dienstleistersuchmaschine leisten?

Zum für mich natürlich interessantesten Workshop lud mein Kollege Felix Wolf ein. Sein Thema: Was muss eine Dienstleistersuchmaschine für den Publishingmarkt leisten? Damit nahm er ein weiteres wichtiges Schlagwort auf: Das Thema „Suchmaschine“ und damit Auffindbarkeit war in aller Munde. Wie und wo suchen Kunden derzeit, wenn sie beispielsweise einen Lektor oder einen Illustrator für ihr Buch suchen? Wie kann die Qualität der vermittelten Dienstleistungen sichergestellt werden? Auch hier gilt: Es wird spannend.

Daneben: viele spannende Gespräche

Bei einem Besuch auf einer solchen Konferenz geht es ja nie nur allein um die Vorträge oder Workshops. Es geht auch um einen Erfahrungsaustausch mit anderen Branchenteilnehmern. Was tut sich bei unseren Verlagskunden? Welche neuen Dienstleistungen sind gefragt? Wo wird Unterstützung gebraucht? Es waren die Gespräche am Rande, die die future!publish für mich über das rein Fachliche hinaus besonders interessant gemacht haben.

 

Die future!publish wird auch im nächsten Jahr wieder in Berlin stattfinden.

 

Abb.: lculig/fotolia