Vom 11. bis 13. September 2015 fanden in Bonn die 14. Lektorentage statt. Also machte ich mich gemeinsam mit ein paar Kollegen und Kolleginnen aus Hamburg auf den Weg in die ehemalige Bundeshauptstadt. Unser Ziel: noch viel mehr Kolleginnen und Kollegen treffen. Wie immer waren es intensive, lehrreiche und lustige Tage.

Lektorentage – das bedeutet: Fortbildung und fachlicher Austausch mit anderen Lektoren, spannende Diskussionen rund um neueste Entwicklungen in der Technik, am Buchmarkt sowie um die Optimierung von Texten. Außerdem: Pflege und Ausbau des Netzwerks und vor allem viel Spaß!

Drei intensive, diskussionsreiche Tage

Die Lektorentage waren für mich eng mit Terminen gespickt:

 

    • Freitagnachmittag: Regionalratssitzung gemeinsam mit den Delegierten aus den anderen Regionalgruppen des VFLL
    • Freitagabend: Netzwerktreffen mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet
    • Samstagvormittag: Podiumsdiskussion rund um das Thema „Qualität im (Self-)Publishing“
    • Samstagnachmittag: Workshop „Wer rastet, der rostet: Das eigene Profil weiterentwickeln“, in der Pause noch eine Kurzpräsentation der AG „Digitalisierung“
    • Samstagabend: noch ein Netzwerktreffen (man könnte es auch fröhlich-lustiges Zusammensitzen mit Gleichgesinnten nennen)
    • Sonntagvormittag: Mitgliedervollversammlung des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren

 

Qualität ist wichtig – und sie ist was wert!

Einer der spannendsten Veranstaltungspunkte dieser 14. Lektorentage war für mich die Podiumsdiskussion rund um das Thema „Qualität im (Self-)Publishing“. Die Teilnehmer kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Markus Hartmann von der Selfpublishing-Plattform epubli.de, Regina Mengel, Autorin und Selfpublisherin, Gründungsmitglied von „Qindie – das Autorenkorrektiv“, Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de, Holger Klein, Pressesprecher des regionalen Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), sowie Detlev Stamm von der B2B-Agentur Zink und Kraemer AG.

 

Es war also vor allem die Kundensicht, die uns präsentiert wurde – und zwar aus verschiedenen Perspektiven: Vertreter von Unternehmens- und Agenturkunden waren ebenso anwesend wie Experten, die die Sicht von Selfpublishern einbrachten. Qualität im Publishing geht halt alle Kunden gleichermaßen an. Wieso ist der persönliche Kontakt zum (Werbe-)Lektor dem Kunden wichtig, obwohl doch eigentlich eine Agentur zwischengeschaltet ist? Warum bringen Werbekunden oft ihre Lektoren mit, wenn sie zu einer anderen Werbeagentur wechseln, und warum ist die Agentur gut beraten, diesen Lektor in die Prozesse einzubinden? Was erwartet ein Selfpublisher von seinem Lektor (wenn sich das so überhaupt vereinheitlichen lässt)? Und warum gehört das Lektorat zu den Erfolgskriterien eines Selfpublishing-Titels?

 

Die Diskussion zeigte, dass die Leistung, die Qualität sicherzustellen, von zentraler Bedeutung im Herstellungsprozess von Schriftstücken aller Art ist, ganz gleich, ob diese im Print oder digital erscheinen. Und dass diese Leistung auch angemessen honoriert werden muss. Anderenfalls ist Qualität eben nicht mehr zu gewährleisten. In der Praxis mag das manchmal schwierig durchzusetzen sein, aber die Diskussion über den Preis lohnt sich. Budgetknappheit führt zu Zeitnot – mit allen negativen Folgen für die Sorgfalt.

 

Ich gestehe, dass ich vorab bei der Podiumsbesetzung so meine Zweifel hatte, ob die Diskussion wirklich funktionieren würde. Tat sie. Großartig sogar, was nicht zuletzt auch an der Moderation durch Sabine Olschner lag.

 

Die eigene Positionierung überprüfen

Für den Nachmittag standen verschiedene Veranstaltungen zur Wahl. So bot Wolfgang Tischer ein Seminar zum Thema „Lektorat – Dienstleistung für Selfpublisher“ an. Sehr spannend! Mein Kollege Herwig Frenzel und unser Verbandsanwalt Joachim Seiffert moderierten gemeinsam das Werkstattgespräch „Risiko – Beschwerde – Haftung. Lektorat in der Unternehmenskommunikation“. Auch interessant.

 

Entschieden hatte ich mich dann aber für ein eher softes Thema und mich für den Workshop „Wer rastet, der rostet: Das eigene Profil weiterentwickeln“ angemeldet. Auch nach vielen Jahren als freie Lektorin ist es von Zeit zu Zeit wichtig, den Blick mal vom Monitor abzuwenden, in die Umgebung zu blinzeln und sich zu fragen, wohin denn die Reise gehen soll. Das fanden offensichtlich auf viele andere alte Hasen und Häsinnen im Workshop, in dem ich mit neun Jahren Selbstständigkeit absolut im Durchschnitt lag. Unsere Dozentin Kathrin Jurgenowski stellte uns einige Aufgaben und schon legten wir allein, in Zweier- oder Dreiergruppen los. Ziel: mit dem Plan für eine konkrete Maßnahme aus dem Workshop rausgehen. Hat bei mir zumindest geklappt …

 

Ansonsten hatten die drei Tage etwas von einem Klassentreffen. Man trifft Leute, die man lange nicht gesehen hat, fragt sich im Vorfeld, wer dieses Mal alles dabei sein wird, redet sich die Köpfe heiß und quatscht die Nacht durch. Schön war’s!

 

Danke an das Organisationsteam der Regionalgruppe Köln/Bonn für die perfekte Vorbereitung.

 

Abbildung: missbobbit – fotolia